14. Folge des Dylan-Feuilletons: Dylan und die Tradition

von Roland Mahler

 

Um Dylans Spätwerk zu verstehen, muss man sein Schaffen im Kontext der Amerikanischen Musiktradition, des „Great American Songbook“, sehen. Das bedeutet, dass Dylan ab den frühen Neunzigern mehr und mehr bewusst Bezug genommen hat auf diesen Fundus an musikalischen Themen und lyrischen Inhalten.

 

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13. Folge des Dylan-Feuilletons: Time Out Of Mind

von Roland Mahler

 

Die Neunziger sind für Bob Dylan Abschluss, Rückkehr und Neubeginn in einem. Nach „Under The Red Sky“ (siehe die vorangegangene Kolumne 12), der Verleihung des Lifetime-Achivement-Grammys 1991, dem 30th Stage-Anniversary-Konzert 1992 und den beiden auf traditionelles Material zurückgreifenenden „Good As I Been To You“ und „World Gone Wrong“ spielt Dylan für Sony das „MTV-Unplugged“-Life-Konzert ein – eher widerwillig (zumindest was die Auswahl der aufgenommenen Stücke, vorwiegend bekannte Songs aus den Sechzigern, betrifft). Nachträglich stellt er dem offiziellen Konzert, das auf der „MTV-Unplugged“-CD 1994 erscheint, ein eigenes inoffizielles Konzert im New Yorker Supper-Club gegenüber, das als Bootleg - neuerdings auch streambar auf soundcloud.com - herumgeistert und wovon einige wenige Stücke auf „Tell, Tale, Sign“ veröffentlicht wurden (Dylan und seine Band in bester Spiellaune!).

 

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12. Folge des Dylan-Feuilletons: World gone wrong

von Roland Mahler

 

Die Neunziger beginnen mit dem Album „Under The Red Sky“, das musikalisch deutlich gegenüber „Oh Mercy“ abfällt – wohl vor allem aufgrund des fehlenden Lenoir-Sounds, der dem Vorgänger ein unverwechselbares Gepräge verliehen hat. Trotz hervorragender Musiker (George Harrison, Stevie Ray Vaughan, Slash, David Crosby – um nur einige zu nennen) bleibt der Sound ohne wirkliche Tiefe – vielleicht mit Ausnahme von Born In Time (wobei die später veröffentlichte Version auf „Tell, Tale, Sign“ deutlich mehr bietet als die Version, die es auf das 1990 veröffentlichte Album schaffte).

Thematisch zeugen die Songs von einer zunehmenden Distanz Dylans zu einer ihn umgebenden Wirklichkeit im Zeichen postmodernen Lebenskultur (vgl. Wiggle Wiggle, TV Talkin‘ Song, Unbelievable, Handy Dandy)...

 

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11. Folge des Dylan-Feuilletons: Ein Mann sucht (immer noch!) seinen Weg

von Roland Mahler

 

Im Oktober 1987 spielte Bob Dylan auf der Piazza Grande in Locarno. Ein weiteres Konzert im Rahmen seiner Europa-Tournee (mit der Tom Petty-Band). Tourstress, Routine, Bob geht gegen die 50 – es ist schwer zu sagen, was die Ursache oder vielleicht eher der Vorbote war für jenes Ereignis, dass nach seinen eigenen Wahrnehmungen fundamental für die nächsten Jahrzehnte sein sollte und das zum inneren Entschluss führte, 1988 die „Never Ending Tour“ zu starten. Seither reist Dylan jedes Jahr um die Welt und gibt zwischen 70 und 100 Konzerte (in den Neunzigern teilweise auch deutlich mehr!).

 

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10. Folge des Dylan-Feuilletons: Dylan in der Krise

von Roland Mahler

 

Die achziger Jahre zwischen „Real Life“ und „Oh Mercy“
Nach dem zwiespältigen Meisterwerk „Infidels“ aus dem Jahr 1983 erscheint das Life-Album von Dylans England Tournee im Jahre 1984 unter dem Titel „Real Life“. Schon die Auswahl der Stücke auf diesem Album zeigt, dass sich Dylans Auftritte nicht mehr als Gospel-Events präsentieren. Was geblieben ist, ist der Sound: Straight Rock n‘ Roll! Insbesondere der schon an „Infidels“ beteiligte ehemalige Stones Gitarrist Mick Taylor prägt den Klang von Stücken wie „Maggies Farm“, „I And I“, „Masters Of War“. Einige akustische Solodarbietungen („Girl Form The North Country“, „Tangled Up In Blue“, „It Ain’t Me, Babe“) erinnern an die frühen Konzerte nach „Highway 61 Revisited“, bei denen Dylan stets neben einem Teil mit Band einige Solostücke mit Gitarre und Mundharmonika abgeliefert hat. Überhaupt knüpft Dylan hier unverhohlen an seine früheren Tourneen vor der Gospelphase an – allerdings ist er selbst nicht mehr der gleiche. Der Zugang zu den bekannten Songs scheint ihm letztlich irgendwie nicht zu gelingen. Alles bleibt irgendwie provisorisch (trotz teilweise mitreissendem Sound).

 

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9. Folge des Dylan-Feuilletons: Infidels – das Album zwischen Genialität und Verunsicherung

von Roland Mahler

 

Am 27. Oktober 1983 erscheint Dylans 22. Studioalbum unter dem Titel "Infidels" ("Ungläubige"), co-produziert von Mark Knopfler von den Dire Straits (deren Sound Dylan fasziniert). Das Album stellt nur äusserlich (z.B. vom Sound her) einen radikalen Bruch zu den drei vorangegangenen dar. In Tat und Wahrheit kommen in diesem Werk jene Themen stärker zum Tragen, die schon bei "Shot of Love" im Hintergrund präsent waren: Zerbrochenheit der Identität, Widersprüche, menschliche Abgründe, Ungerechtigkeit.

 

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8. Folge des Dylan-Feuilletons: Wer bin ich wirklich

von Roland Mahler

 

Am 19.November 1978 machte Bob Dylan eine Erfahrung, die ihn zutiefst veränderte. In einem Hotelzimmer in Tucson Arizona erfuhr er die Gegenwart von Jesus so intensiv, dass er dadurch wahrhaft umgehauen wurde (so seine eigenen Worte). In der Folge - wie viele Menschen, die eine Heimsuchung Gottes erlebt haben - versuchte er seine Erfahrung in einer Kirche zu integrieren. Dies war der Beginn eines Prozesses, der sich als konfliktreich und voller Spannungen entfalten sollte. Das Bibelstudium an der Vineyard Church brachte eine Auseinandersetzung mit der entsprechenden "Gemeindetheologie" und in der Folge eine Phase eigentlicher "Frömmigkeit", die sich in Dylans Songtexten von 1979 und 1980 und auch in seinen in diesen Jahren üblichen Kurzpredigten während seiner Konzerte artikulierte (vgl. dazu die Bootleg-Alben "Contract With The Lord" des Warfield-Konzerts von 1979).

 

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7. Folge des Dylan-Feuilletons: Krise und fulminanter Neubeginn

von Roland Mahler

 

m Jahre 1975 war Dylan mit seiner „Rolling Thunder Revue“ durch die USA und Kanada unterwegs. Zu Beginn des Jahres war „Blood On The Tracks“ erschienen – ein Meilenstein in Dylans Schaffen (siehe die vorangegangene Kolumne in unserem Newsletter). Neben seinen Konzerten befasste er sich spätestens ab Juni 1975 mit einem neuen Album – das innert zweier Monaten und in einer einzigen Aufnahmesession fertig gestellt wurde: „Desire“. Wie so oft suchte er sich dazu ein musikalisches Umfeld zusammen, das den Stil des Albums prägen konnte. Zu erwähnen sind der Bassist Rob Stoner, der die nächsten Jahre der eigentliche musikalische Leiter von Dylans Band werden sollte, und Scarlett Rivera, eine Junge Geigerin, die Dylan, so sagt man, auf der Strasse angesprochen habe, als er sie mit ihrem Geigenkoffer gehen sah.

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6. Folge des Dylan-Feuilletons: Blood On The Tracks – Ein bitterböses Meisterwerk

von Roland Mahler

 

Im Januar 1975 veröffentliche Dylan sein fünfzehntes Studioalbum und das erste nach seiner Rückkehr zu Columbia-Records (unter entschiedenen besseren Bedingungen als zuvor!), dies nachdem er einige Alben bei Asylum-Records herausgebracht hatte -mit mässigem Erfolg (vgl. etwa "Planet Waves" aus dem Jahre 1973, das trotz seiner Qualitäten wenig Beachtung fand). Allein schon die Geschichte der Aufnahmen zu "Blood On The Tracks" ist aussergewöhnlich.

 

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5. Folge des Dylan-feuilltons - The Rolling Thunder Revue

von Roland Mahler

 

Dylan entwickelt sich vom Rock- und Popstar zum Multimedia-Künstler. Er schreibt Filmmusik und produziert selber einen Film. Daneben erscheinen musikalische Meilensteine wie New Morning, Pat Garrett And Billy The Kid, Planet Waves und die Basement Tapes. Vor allem aber zieht er mit seinem Musikzirkus The Rolling Thunder Revue durch die Lande.

 

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4. Folge des Dylan-Feuilletons - Der Popstar geht in sich und schockiert seine Fans

von Roland Mahler

 

Im Juni 1966 erlitt Bob Dylan einen schweren Motorradunfall - zumindest war dies die Schlagzeile, welche um die Welt ging. Es war in der Öffentlichkeit unklar, ob er je wieder würde singen können. Tatsächlich schien alles viel glimpflicher abgelaufen zu sein, als es zunächst den Anschein machte. Nach seiner Genesung zeigte er ein anderes Gesicht - äusserlich unauffällig, ein Familienvater wie andere auch! In jener Zeit kursierten die ersten inoffiziellen Kopien von "Tarantula", Dylans Prosa Gedicht, das ganz im Stil der Beat-Poetry als "Stream-Of-Consciousness-Writing" verfasst war. A. Pennebaker drehte den Dokumentarfilm zu Dylans Englandtournee im Mai 1966 (Eat The Document, uraufgeführt 1971). In den Augen vieler seiner Anhänger war Dylan der Messias einer kommenden Zeit. Er verkörperte die intellektuelle und zugleich musikalische Speerspitze einer ganzen Generation.

 

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3. Folge des Dylan-Feuilletons - Vom Protestsänger zum Rockstar

von Roland Mahler


In der dritten Folge unserer Dylan-Kolumne geht es um die Jahre 1963-1966.

 

Bob Dylan, Shootingstar der Folkbewegung in den frühen Sechzigern, liefert in den Jahren, die auf sein Debutalbum (1962) folgen, eine erstaunliche Dichte an Werken ab, die im Blick auf Qualität und Kreativität einzigartig sind.

 

Mit „The Freewheelin‘ Bob Dylan“ im Jahre 1963 betritt er endgültig die Szene der Singer-Songwriter. Das Album enthält – im Gegensatz zum ersten – ausschliesslich eigene Songs und darunter gleich einige der bis heute lebendigen Klassiker in Dylans Schaffen wie „Blowin‘ In The Wind“ (wohl in den Augen der Mehrheit DER Dylansong schlechthin!) oder „Hard Rain“, ein apokalyptisches Werk, dass alle gängigen literarischen Traditionen des Songschreibens sprengt und damit die Ankündigung des Speakers am Folkfestival von Newport 1965 rechtfertig, die davon spricht, das Dylan die Folkmusic „… from a point of view of a Poet“ verändert habe. Der Dichter Allan Ginsberg erzählt, wie er beim Hören dieses Songs geweint habe und erkannt habe, dass mit Dylan ein Autor am Werk sei, der die Beat-Lyrik über ihre Grenzen hinaus weiter entwickeln würde. Das Album enthält ebenfalls den Klassiker unter Dylans meist von Abschied und Distanz geprägten Liebesliedern „Girl From The North Country“, den er später (1968) nochmals im Duett mit Johnny Cash aufgenommen hat. Und schliesslich mein persönlicher Favorit auf dieser Scheibe: „Bob Dylans Dream“, eine wunderschöne Ballade über vergangene Männerfreundschaften und die verlorene Jugend...


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2. Folge des Dylan-Feuilletons - Bob Dylan 1962 und mehr

von Roland Mahler

 

In dieser zweiten Folge unserer Dylan-Reihe geht es um die Anfänge Dylans in New York.

 

Im Jahre 1962 erscheint die erste LP des gerade mal 22-jährigen Newcomers der New Yorker Folkszene in Greewich Village. Sie bedeutet bereits einen frühen Höhepunkt im erstaunlichen Aufstieg des Robert Allen Zimmerman vom Hinterland-Teenager aus Minnestota zum urbanen Hippster einer äusserst ambitiösen Szene. Die Folkies der frühen 60er verstehen sich als unabhängig, anti-established und vor allem anti-kommenziell was ihre Musik betrifft. Der schwarzen Bürgerrechtsbewegung nahe symbolisieren sie ein neues Amerika jenseits der Rassendiskriminierung. Zudem steht die Folkbewegung traditionell eher links in einer amerikanischen Gesellschaft, die noch von McCathys antikommunistischer Hetze der 50er geprägt ist (vgl. Dylans Song aus derselben Zeit, der auch aus politischen Gründen nicht auf dem ersten Album enthalten war: Talkin’ John Birch-Society Blues – neuerdings auch als Live- Version auf der CD des Brandeis-University-Concerts aus derselben Zeit). In dieser Szene ist Dylan ab 1961 der aktuelle Shootingstar neben etablierten Grössen wie Theodore Bikel, Pete Seger, Peter, Paul and Mary, Joan Baez und anderen.

 

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1. Folge des Dylan-Feuilletons - Der Jude mit dem Cowboyhut

von Roland Mahler

 

Unter diesem provokativen Titel werden wir in den kommenden Ausgaben des Dylanbar-Newsletters für die interessierten Leser einen möglichst übersichtlichen Zugang zu Dylans Lebenswerk präsentieren und darüber hinaus den Versuch einer Interpretation einiger seiner künstlerischen Wegmarken wagen.

 

Den ersten Teil findet ihr hier...